Psychische Gefährdungsbeurteilung

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Arbeitgeber/-innen dazu, auf Basis einer Beurteilung der Arbeitsbedingungen zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind (vgl. § 5 ArbSchG). Weit weniger bekannt ist, dass gem. § 5 Abs. 1 Satz 2 ArbSchG auch die Arbeitnehmer verpflichtet sind, den Arbeitgeber auf Überlastung am Arbeitsplatz hinzuweisen, und zwar sogar dann, wenn ein Kollege betroffen ist. Das Auslösen einer Überlastungsanzeige stützt sich auf §§ 15 und 16 des Arbeitsschutzgesetzes und § 242 BGB, obwohl dieser Begriff im Gesetz nicht explizit verwendet wird.

Im Jahr 2008 wies das Bundesarbeitsgericht ausdrücklich darauf hin, dass bei einer Gefährdungsbeurteilung auch psychische Belastungen der Arbeit zu berücksichtigen sind (vgl. § 5 ArbSchG, Ziffer 6).

Psychische Belastung bei der Arbeit umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher psychisch bedeutsamer Einflüsse, etwa die Arbeitsintensität, die soziale Unterstützung am Arbeitsplatz oder die Dauer, Lage und Verteilung der Arbeitszeit. Eine Arbeit ohne psychische Belastung ist genauso wenig denkbar und wünschenswert wie eine Arbeit ohne jede körperliche Belastung. Psychische Belastung ist daher wertneutral zu verstehen.  Ähnlich wie bestimmte Arten und Ausprägungen körperlicher Belastung gesundheitsgefährdend sein können, kann auch die psychische Belastung bei der Arbeit gesundheitsbeeinträchtigende Wirkungen haben, zum Beispiel bei andauerndem hohem Zeit- und Leistungsdruck oder bei ungünstig gestalteter Arbeit. Daher ist es erforderlich, psychische Belastungen der Arbeit in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Erfassung und Beurteilung psychischer Gefährdungsfaktoren nicht dazu dienen soll, die individuelle psychische Situation der Beschäftigten abzufragen. Vielmehr müssen betriebliche Faktoren wie Arbeitsorganisation, Über- oder Unterforderung, Qualifikation, Kommunikation, Führungsmethoden, Kundenverhalten und anderes mehr als mögliche Belastungsfaktoren erkannt, bewertet und menschengerecht gestaltet werden.

In Anlehnung an das GDA-Arbeitsprogramm Psyche des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales erfolgt die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung in sieben Schritten:

Schritt 1 Festlegen von Tätigkeiten/Bereichen
Schritt 2 Ermittlung der psychischen Belastung der Arbeit
Schritt 3 Beurteilung der psychischen Belastung der Arbeit
Schritt 4 Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen
Schritt 5 Wirksamkeitskontrolle
Schritt 6 Aktualisierung/Fortschreibung
Schritt 7 Dokumentation

Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an Stefan Müller…